Rodeln: Mit Blaulicht und Polizei-Eskorte zum Wettkampf

Die Rennrodlerin Natalie Maag hat sich in der erweiterten Weltspitze etabliert, absolviert derzeit die letzten Saisonvorbereitungen und erlebt gerade aussergewöhnliches.

Die One-Woman-Show

Die UNITED-Absolventin von 2017 verkörpert schon seit einigen Jahren in Personalunion das Schweizer Team. Rodlerinnen von internationalem Format gibt es hierzulande neben Natalie keine. Dies führt dazu, dass sich Natalie längst der starken deutschen Nationalmannschaft angeschlossen hat. So absolviert die bald 23-Jährige nicht nur die Trainingslehrgänge im Oktober und November gemeinsam mit der Vorzeigenation. Verschiedentlich spannte die Zürcher Oberländerin auch im Sommer mit deutschen, aber auch italienischen und österreichischen Rodlerinnen zusammen. Die Szene ist überschaubar, man kennt, hilft und pusht sich gegenseitig.

Sommerjob & Winterjob

Während sich Natalie im Winter auf ihren Sport konzentrieren und als Profi leben kann, arbeitet sie in den Sommermonaten auf ihrem angestammten Beruf als Kauffrau. Sie profitiert dabei von ihrem weiterhin sehr sportfreundlichen Arbeitgeber, auf den sie bereits während der UNITED-Ausbildung zählen konnte. «Ich konnte in der Off-Season immer wieder bei meinem Ausbildungsbetrieb aushelfen. Gleichzeitig nahm die Belimo Automation AG Rücksicht auf Lehrgänge und Trainingswochen.» Ein ganzjähriger Profistatus wäre gewöhnlich nicht machbar, dazu sind die Verdienstmöglichkeiten in den Eiskanälen zu gering. Ein Weltcup-Sieg wird derzeit mit 1200.- Euro vergütet. Allerdings geht Natalie für ihren Sport neue, ambitionierte Wege. So nahm die Rodlerin an der diesjährigen Spitzensport-RS teil. Auch im kommenden Sommer will sie sich im Hinblick auf Olympia ganz dem Sport widmen und so nochmals zwei Schritte nach vorne machen. Ihr Armee-Engagement, die Schweizer Sporthilfe, aber auch treue Sponsoren stehen ihr dazu zur Seite.

Die Tour d’Europe

Die Basis zu einem erfolgreichen Winter legen die RodlerInnen jeweils in der warmen Jahreszeit. Für ihren vierten Weltcup-Winter lernte Natalie sämtliche Facetten des Krafttrainings aufs Neue kennen. Auf Schnellkrafteinheiten folgten Sessions für die Kraftausdauer. Im Tages-Rhythmus. Inzwischen ist die UNITED-Absolventin bereits wieder auf den Bahnen unterwegs. In jeder Woche folgen ein neues Land und eine neue Bahn. Ihre Destinationen lagen in Deutschland, Lettland, Österreich, wieder Deutschland und zwischendurch kam’s zum Highlight: Natalie durfte Pekings Olympia-Bahn exklusiv testen.

Das VIP-Feeling der anderen Art

Zur «China-Woche» kam Natalie unverhofft. Die neu konzipierte Olympia-Bahn darf zur Homologierung nur von jeweils einem/-r Athleten/in pro Nation getestet werden – Corona-bedingt allerdings nur von Sportlern aus dem Schengen-Raum. So ersetzte Natalie kurzerhand eine US-amerikanische Rodlerin. Der Peking-Trip war dann gleichermassen aussergewöhnlich eindrücklich und sportlich wertvoll. Natalie reiste in einem für die Rodeldelegation gecharterten Airbus von Frankfurt aus an! Nach der Ankunft ging es für die UNITED-Absolventin mit Polizeieskorte direkt ins Hotel. Die Polizeibegleitung gab’s dann hinterher auch bei jedem einzelnen Training. Die Restriktionen im Riesenreich waren strikt. Kontakte zum Hotelpersonal, zu den chinesischen Bahnarbeitern oder anderen Sportlern waren untersagt und fanden nicht statt. Die Mund-Nasen-Maske war mit Ausnahme der Trainingsfahrten und für die Zeit auf dem Hotelzimmer stets zu tragen.

Der Olympia-Vorsprung

Insgesamt absolvierte Natalie 21 Bahnfahrten auf der mit 1,9 Kilometern nun längsten Weltcup-Piste. «Das war wertvoll. Ich konnte die Bahn gut kennenlernen. Im Hinblick auf den Weltcup im Februar, aber dann auch aufs Highlight Olympia im Februar 2022 könnte mir das ein Vorteil sein.», zeigte sich die Zürcherin sehr zufrieden. Der Auftritt in Peking bescherte Natalie und der UNITED school als Natalies Kopfsponsorin aber auch verdiente PR. So berichtete das SRF über den aussergewöhnlichen Abstecher mit einem hübschen Beitrag.

Fürs Erste gilt der Fokus nun aber dem Weltcup-Auftakt von Ende November. Erste Station ist Innsbruck. Natalie peilt eine Klassierung in den Top10 – sowohl für die Station im Tirol wie die Gesamtwertung. Corona könnte das Starterfeld allerdings mächtig durchschütteln. Sie erklärt: «Wer positiv ist, muss zwei Rennen pausieren». Ein 36-seitiges Schutzkonzept mit regelmässigen Corona-Tests soll helfen, Ansteckungen zu minimieren.  (22.11.2020)

Wir drücken Natalie für ihre vierte Weltcup-Saison die Daumen!